„Warum die und nicht wir?“ Neidproblem bei Tablett-PC-Einsatz in der Schule

Nachdem wir an der Oranienschule Wiesbaden den Zuschlag für Tablett-PC-Projekt bekommen hatten und wir dies eigentlich eher klein verkündetet hatten, machte es bei den Schülern groß die Runde. Mich haben Schüler aus der Unterstufe sowie der Oberstufe darauf angesprochen. In der Regel war bei den Schülern in erster Linie Begeisterung zu erkennen, dass es so etwas überhaupt an ihrer Schule gibt.

Unsere Wahl fiel auf eine Klasse, die an der Oranienschule einen sehr guten und zuverlässigen Ruf hat. Bei der 8a handelt es sich um eine ehemalige Streicherklasse, die in den ersten drei Jahren sich an klassischen Musikinstrumenten weitergebildet haben. Ganz angesehen davon gibt es in der Klasse 8a doch eine recht beachtlich Zahl an verhältnismäßig leistungsstarken SchWarum die und nicht wirülern und Schülerinnen.

Zurück zu den Reaktionen der Schüler. Oft war damit auch die Reaktion verbunden: „Warum die und nicht wir?“ In der Vorbereitungszeit mussten wir feststellen, dass das „Auserwähltsein als Tablett-Klasse“ doch eine gehörige Portion Neid bei vielen Schülern hervorgerufen hat. Ich behaupte allerdings, dass viele Schüler es der 8a dennoch gönnen und bei nur wenigen Schülern sich die Ansicht dahingehend weiterentwickelt, dass sie sich benachteiligt fühlen.

Verschärft wurde diese Problematik noch durch einen schwellenden Zwist zwischen zwei 8. Klassen, die eine beliebt und leistungsstark, die andere eher unbeliebt, schwierig und leistungsschwach. Ständige verbale Spitzen auf dem Pausenhof gegenüber der Tablett-PC-Klasse waren die unweigerliche Folge. Die Tatsache, dass die Schüler der Tablett-PC-Klasse mit stolz geschwellter Brust phasenweise durch das Schulhaus lief und das Auserwähltsein im Konflikt auch gegenüber der anderen Klasse eingesetzt hatte, wirkte nicht gerade deeskalierend.

Der Neid begründet sich sicherlich dadurch, dass das Arbeiten am PC ein schöner und von den Schülern wohl überhöhter Kontrast zum „Stift-Papier-Tafel“-Schulalltag ist. Wenn es sich dann auch noch um Ipads dreht, Apple-Produkte wecken bei den Schülern ohnehin eine große Begeisterung, dann wird das von den Schülern, die nicht damit arbeiten dürfen, schnell als das Nonplusultra angesehen.

Es wird sicherlich spannend sein, wie sich die Haltung der teilnehmenden Schüler gegenüber dem Medium „Ipad in der Schule“ entwickelt und wie die Haltung der nicht-teilnehmenden Schüler entwickelt, die nur via Pausenhofgespräche etwas davon mitbekommen.

Die Ehre in der Schule mit iPads arbeiten zu können stellt die Schüler allerdings auch wieder vor neue Aufgaben und Herausforderungen. Da sie in Zukunft mit einem Ipad 3 im Wert von Summa Summarum 500-600€ (hab ich mich vertan?) herumlaufen werden, bedeutet das für sie auf die Schultasche wieder besser aufpassen zu müssen, regelmäßig nachschauen zu müssen, ob alles vorhanden ist oder ihr iPad evtl. nicht ausgetauscht wurde.

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Die Diebstahlgefahr steigt deutlich, denn die Schüler kennen sich untereinander und neben den bis dato unattraktiven Schulbüchern liegt in der Tasche nun für „Langfinger“ ein reizvoller, 500€ teurer Tablett-PC. Solche erhöhten Gefahren entstehen, wenn die Klasse sich im Sportunterricht befindet und die Taschen in der Umkleidekabine theoretisch unbeaufsichtigt sind. Von einer Klasse liegt durch die iPads dann ein Wert von 15 000€ in der Kabine! Insofern müssen wir uns für diese Fälle besondere Lösungen einfallen lassen. Sollten in ferner Zukunft mal Tablett-PCs breiter eingesetzt werden, dann müssen Schulen sich infrastrukturell deutlich verbessern (können), z.B. durch Schließfächer, um die Diebstahlgefahr zu minimieren (meine Meinung zumindest). Ausgeschlossen ist das Problem dadurch  allerdings nicht.

Unsere Schüler haben wir angehalten nicht mit dem Projekt zu prahlen oder im Schulhaus offen mit dem Tablett-PC herum zu laufen. Des Weiteren haben wir durch die Nutzungsbedingungen auch die Bereiche eingeschränkt in denen die Schüler das Ipad nutzen dürfen. Eine Nutzung außerhalb der Schule in der Öffentlichkeit, im ÖPNV oder in Cafe´s oder Restaurants ist nicht gestattet.

Die Möglichkeiten einen iPad-Diebstahl aufzuklären sind durch die Ortungsfunktion offenbar nicht schlecht. Uns wurde gesagt, dass man sich im Vorfeld den Barcode auf dem Gehäuse und die IMEI-Nummer (zu finden unter „Einstellungen“, „Allgemein“, „Info“ und „IMEI“) notieren sollte, um dem Diebstahl auf den Grund zu gehen.

Ich werde mich zu dieser Thematik am Ende des Projektes wieder äußern. Ich bin mal gespannt was alles noch passieren wird, hoffentlich nur Gutes.

Viele Grüße Christian Reinsch (Oranienschule-Wiesbaden)

Ein Gedanke zu “„Warum die und nicht wir?“ Neidproblem bei Tablett-PC-Einsatz in der Schule

  1. Ich habe neben der 8a (iPad-Klasse) auch die Klasse 8b, die ich konventionell unterrichte in den Fächer Erdkunde und Geschichte unterrichte. Das ermöglicht mir Vergleiche zu ziehen. Durch rege Schulhofunterhaltungen zwischen den Schüler und Schülerinnen beider Klassen haben die Schüler das herausbekommen und die Klasse 8b hat über sich gesagt, dass sie die “Drecksarbeit” machen müssten.

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